(von Luc Bürgin)

Wissen Sie, wie der häufigste Baby-Vorname in London, Oslo, Brüssel und anderen EU-Metropolen lautet? Mohammed! Anders in Deutschland: Ganz vorne rangieren hier Neugeborene namens Elias, Noah oder Lukas. Laut der Gesellschaft für deutsche Sprache ist Mohammed aber auch bei uns im Kommen. Auf der Hitliste der beliebtesten Vornamen schaffte er im vergangenen Jahr den Sprung von Platz 41 auf 26. Hoppla!

Behördlich abgelehnt wurden in den letzten Jahren depperte Vornamen-Wünsche wie Atomfried, Bierstübl oder Bandito. Erlaubt bleiben ebenso depperte Vornamen wie Pepsi-Carola, Schneewittchen, Pumuckl, Kuddel, Ikea oder Popo. Kaum zu beneiden auch alle kleinen Adolfs, die auf Wunsch ihrer Eltern immer noch das Licht der Welt erblicken. Ebenso Heinz-Dieter Ottovordemgentschenfelde und seine Verwandten, die den längsten Nachnamen Deutschlands tragen und sich bei jedem Telefonanruf umständlich erklären müssen.

Erklärungsbedarf besteht auch bei Amazon, Apple, Google oder Microsoft. Schon mal überlegt, warum besagte US-Riesen allesamt plötzlich Hightech-Lautsprecher entwickeln, die dank Internetverbindung auf Sprachkommandos reagieren? Will man sich jetzt auch noch unseren persönlichen Stimmabdruck krallen, um damit Schabernack zu treiben? Abhörwanzen, die wir selbst bezahlen? Ebenfalls schon mal überlegt, warum derlei Konzerne ihre Cloud-Angebote zur Datensicherung zunehmend günstiger anpreisen? Im Fall von Microsoft scheint der Fall mittlerweile klar: Der PC-Gigant hat ein Patent eingereicht, dank dem mittels Raubkopie-Software erstellte Dateien in der Cloud automatisch erkannt und juristisch geahndet werden können. Autsch.

Noch dreister seift uns Körperpflege-Multi Colgate-Palmolive ein. Jahrzehntelang schrubbte ich meine Zähne guten Gewissens mit dessen teurer Paste. Erst jetzt wurde mir klar, dass sich darin trotz weltweiter Verbotsforderung Triclosan befindet. Was das ist? Ein hochumstrittenes, krebserregendes Biozid, das auch zur Desinfektion in Krankenhäusern verwendet wird. Ab 2017 ist Triclosan in Deutschland und der Schweiz in Putzmitteln verboten. Nicht aber in Colgates Zahnpaste oder Kosmetika. Hallo?!

In Brüssel juckt all dies keine krumme Gurke. Stattdessen fokussiert sich die EU-Kommission darauf, den US-Streamingdienst Netflix zu kastrieren. Konkret: 30 Prozent aller bei uns von Net-flix angebotenen Filme oder TV-Serien müssen ab 2018 europäi-scher Herkunft sein – selbst wenn sie zum Gähnen sind. Mal ehrlich: Wer will gegen Bezahlung schon die »Die Geissens« oder die »Lindenstrasse« gucken? Warum investiert die EU eigentlich nicht in einheimische Streaming-Angebote? Wo bleibt die längst überfällige europäische YouTube-Alternative, wie sie China mit Youku.com seit Jahren erfolgreich betreibt? Wo die europäische Facebook-Variante? Und wo die europäische Suchmaschine, die den CIA-Kumpanen von Google & Co. endlich Paroli bietet?

Nichts Neues auch auf dem internationalen Parkett. Nach Trumps Donnerwetter am G7-Gipfel hat es auch die Bundeskanzlerin endlich gemerkelt: »Die USA sind für Deutschland kein verlässlicher Partner mehr!« Tatsächlich gibt es keinerlei Gewissheiten mehr, auf die sich die Welt verlassen kann, wie die »Zeit« das aktuelle politische Schlamassel kürzlich auf den Punkt brachte: »Alles ist mittlerweile möglich. Jederzeit.« Oder wie ein ausserirdischer Beobachter nach dem kürzlichen Treffen unserer Mächtigsten zynisch in ferne Welten posaunte: »Gestern stand die Menschheit noch kurz vor dem Abgrund. Heute ist sie einen entscheidenden Schritt vorangekommen.«

Und morgen? »Morgen regnet es, Luc. Packe unbedingt deinen Regenschirm ein!«, warnte mich Facebook neulich ungefragt auf meiner Startseite, ehe das Thermometer ohne ein Tröpfchen Nass auf tropische 35 Grad kletterte. Wie labern Politiker gern: Prognosen sind immer schwierig – vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.

»Was man ernst meint, sagt man am besten im Spass«, riet einst Wilhelm Busch. In diesem Sinn: Kennen Sie den Unterschied zwischen der Politik und einer Telefonzelle? Ganz einfach: In der Politik darf man zuerst wählen und muss erst dann bezahlen. Der Unterschied zwischen einem Theater und dem Bundestag? Im Theater werden gute Schauspieler schlecht bezahlt! Und der Unterschied zwischen einem Optimisten und einem Pessimisten? Der Optimist lernt Deutsch, der Pessimist lernt Arabisch.

Luc Bürgin (Herausgeber)