(von Luc Bürgin)

Je politisch unkorrekter unsere Gesellschaft, desto politisch korrekter unsere Sprache. Die »Dritte Welt«? Existiert nicht mehr. Sie heisst nun »Globaler Süden«. »Riesen« oder »Liliputaner«? Darf man ebenfalls nicht mehr sagen. Ab sofort gibt es nur noch »grosswüchsige und kleinwüchsige Menschen«. »Behindertentransporte«? Aus ethischer Sicht ebenso anstössig, weil »Objekte transportiert, Menschen aber befördert werden«, wie uns die Nationale Armutskonferenz ermahnt. Aus »Obdachlosen« sollen künftig »Wohnungssuchende« werden, selbst wenn sie keine dauerhafte Bleibe wünschen. »Heiminsassen« wiederum heissen beschönigend längst »Heimbewohner«, ohne dass sie deswegen glücklicher sind. Und »Sinti oder Roma«? Die nennt man neuerdings – kein Witz – »Rotationseuropäer«. Autsch!

Was darf man in der heutigen Zeit eigentlich noch sagen oder schreiben? Ist es politisch unkorrekt, Politiker biologisch korrekt als Trockennasenaffen zu bezeichnen? Warum landet »Jamaika-Koalition« nicht ebenfalls auf der Tabu-Liste? Und was ist mit »alternativen Fakten«? Selbst diesen Begriff sollen wir künftig nur noch verschämt benutzen, nachdem er kürzlich zum deutschen »Unwort des Jahres« gekürt wurde: »Ein verschleiernder und irreführender Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen«, wie etliche Mainstream-Zeitungen unkritisch nachplapperten. Wer diese depperte Wortwahl zu verantworten hat? Keine staatliche Institution oder Jury, sondern ein alles andere als neutrales Privatgrüppchen von fünf intellektuellen Sprachhygienikern aus demselben politischen Spektrum. Sorry, aber ich kann mich nur wiederholen: Gott schuf den Menschen am Nachmittag. Vormittags hatte er die Affen erschaffen, danach gingen ihm die Felle aus…

Kein Tag, an dem unsere Primaten-Gilde ihre Beschränktheit nicht eindrücklich unter Beweis stellt: Über 500 Millionen Franken an Entwicklungshilfe pumpte allein die Schweiz nach Ruanda – in dasselbe Land, das Englands Fussball-Moloch Arsenal neuerdings mit 35 Millionen Euro pro Jahr sponsert! Chinesische Firmen verseuchten derweil weltweit Blutdruck-Senker mit krebserregenden Stoffen – und kein Patient wird dafür mit einem Glückskeks entschädigt. Im Berliner Bundestag veranstalteten die Abgeordneten im August – ausnahmsweise – kein Affentheater. Wegen der obligaten Sommerpause. Und in der Hartz-IV-Hochburg Nordrhein-Westfalen? Dort prämierte der Kunstverein Ahlen ein vergoldetes männliches Schamhaar jüngst mit einen Förderpreis von 1968 Euro. Begründung: »Die Arbeit reflektiert auf unkonventionelle Weise den Mythos der sexuellen Befreiung.«

Apropos »Befreiung«: Weil empörte Sprachgouvernanten mittlerweile selbst Wörter wie »herrlich« oder »dämlich« als sexistisch brandmarken, forderte die Frauenbeauftragte des deutschen Familienministeriums nun auch eine geschlechtergerechtere Nationalhymne: »Vaterland« soll »Heimatland« weichen – und »brüderlich« durch »couragiert« ersetzt werden. Hallo?! Warum nicht gleich »Heimatsprache« statt »Muttersprache«? »Erzeugerprobe« statt »Vaterschaftstest«? Oder »Menschen mit Menstruations- und Ejakulationshintergrund« statt »Frauen« und »Männer«? Fehlt nur noch, dass selbst der »liebe Gott« demnächst zur »lieben Gottheit« umgetauft wird. Oh heilige Einfalt!

Bleiben noch 716 Milliarden Dollar. Diese irrwitzige Summe wollen die USA im kommenden Jahr für ihren Kriegshaushalt verpulvern. Zehnmal mehr als die Russen! Quizfrage: Wird es je einen Tag geben, an dem auf diesem Erdball seit der Steinzeit kein Krieg tobt? Selbstverständlich – sobald wir uns erfolgreich ausgerottet haben. Bis dahin bleibt uns nicht anderes übrig, als uns mit dem kümmerlichen Hauch Grips abzufinden, den uns die Natur im Laufe der Evolution zähneknirschend zugestehen musste. Vergessen Sie deshalb nie: Jedes herzhafte Busserl wirkt in der grössten Not mehr Wunder als alles Gold der Welt. »Wer oft küsst und geküsst wird, lebt bis zu fünf Jahre länger«, verheissen Ärzte angesichts »intimer Schluckimpfungen« und allerlei wallender Glückshormone. So schrieben es jüngst zumindest etliche deutsche Zeitungen voneinander ab. Ob’s stimmt, mag ich ausnahmsweise nicht überprüfen. Weil es zu verlockend klingt.

Und irgendwo da draussen hadert Muskelprotz Arnold Schwarzenegger derweil mit Alice Schwarzer, weil sie ihm einen versöhnlichen Schmatzer verwehrte. »In welchem Tierkreis-Aszendent sind Sie eigentlich geboren?«, will der verschmähte Macho wissen. »Wasserfrau«, feixt die Feministin. »Aber es heisst doch Wassermann!«, kontert ihr Gegenüber. »Nein, seit wir Frauen emanzipiert sind, heisst es nun eben Wasserfrau…« Darauf Schwarzenegger mit einem fetten Grinsen: »Dann haben Sie aber Glück, dass Sie nicht im Sternzeichen des Stiers geboren sind – sonst wären Sie jetzt eine Kuh…«

Luc Bürgin (Herausgeber)