(von Luc Bürgin)

Nach der Wahl ist vor der Wahl: Was schlug CDU-Innenminister Thomas de Maizière nach der grössten Wählerschlappe seiner Partei seit 1949 vor? Er erwog in Deutschland staatliche Feiertage für Muslime einzuführen! Halleluja. Warum nicht gleich noch offizielle Buss- und Bettage für alle hiesigen Buddhisten, Hindus, Konfuzianer, Taoisten, Scientologen oder Jedi-Anhänger? Weltfremder gehts immer: Rund neun Millionen Euro an Steuergeldern pumpt allein die Schweizer Regierung jährlich als »Entwicklungshilfe« nach Nordkorea, wie ihre Vertreter stolz vorrechnen. Andere Nationen tun es ihr gleich, während Pyromane Kim Jong Bumm seine nagelneuen Atomwaffen im Gegenzug emsig auf Hochglanz polieren lässt.

Jeder Astronaut wird es Ihnen bestätigen: Unser Erdball wirkt umso idyllischer, je weiter man sich von ihm entfernt. Wussten Sie etwa, dass der Saatgut-Moloch Monsanto in den USA heimlich an »unabhängigen Studien« über sein krebserregendes Pestizid Glyphosat beteiligt war, wie die »New York Times« enthüllte? Ahnten Sie, dass Pharmariesen wie Novartis laut dem »Institute for Health & Socio-Economic Policy« trotz gegenteiliger Behauptung mehr Milliarden ins Marketing investieren als in ihre Forschung? Wie brachte es Zyniker Ephraim Kishon bereits vor Jahren trefflich auf den Punkt: »Es gibt vorzügliche Medikamente, für die man leider noch keine passende Krankheit gefunden hat.«

Aufbruchstimmung herrscht derweil in Saudi-Arabien, wo König Salman allen weiblichen Untertanen ab sofort das Steuern von Autos erlaubt. Selber schuld, wer sich darüber lustig macht. Wer erinnert sich schon gern daran, dass deutsche Ehefrauen bis 1977 gesetzlich »zur Führung des Haushalts« verdonnert waren und ihnen ihre Ehemänner – ebenso gesetzeskonform – verbieten durften, einer bezahlten Arbeit nachzugehen? Und die 1946 in Hessen eingeführte »Todesstrafe bei besonders schweren Verbrechen« (Art. 21)? Die gibts noch immer – weil sich die dortigen Parteien nach wie vor über die Modernisierung ihrer Landesverfassung zanken. Zur Erinnerung: Es gibt Staubsaugervertreter, die verkaufen Staubsauger. Es gibt Versicherungsvertreter, die verkaufen Versicherungen. Und dann gibts noch Volksvertreter …

Meinungsfreiheit ist der begrenzte Spielraum, den die Justiz uns zugesteht. Und so wird in Deutschland ab 2018 – hurra! – zumindest Paragraf 103 des Strafgesetzbuches abgeschafft, gemäss dem die Verunglimpfung ausländischer Staatsoberhäupter mit bis zu drei Jahren Gefängnis geahndet werden kann. Nicht beleidigt werden darf selbstverständlich weiterhin Seine Majestät, der deutsche Bundespräsident. Wer es dennoch wagt, dem drohen laut dem altpreussischen Paragrafen 90 bis zu fünf Jahre Knast. Heisst: Über den Stammesfürsten Balabala von Bingobongo oder hirnamputierte Schmalzdackel wie Trump dürfen wir ab 2018 ungestraft donnern und wettern, nicht aber über politische Ergüsse von Frank-Walter Steinmeier. Potzblitz!

Stürmische Zeiten auch im Ami-Land. Dort erhöhten Air Lines ihre Flugpreise während der Hurrikan-Saison bis aufs Achtfache, um aus der Not Profit zu schlagen. Und in der Schweiz? Da wanderte ein rumänischer Einbrecher kürzlich zum wiederholten Mal freiwillig in den Knast – weil er dort laut eigener Aussage dank Putzen und Tütenkleben mehr verdient als mit ehrlicher Arbeit in seiner Heimat. Dies notabene im selben Wohlfahrtsstaat, in dem Reisenden im Züricher Flughafen nach Konfiszierung aller Flüssigkeiten am Zoll im Abflug-Gate 6,50 Euro für ein PET-Fläschchen Wasser abgeknöpft werden. Zur Erinnerung: Täglich verdursten weltweit Tausende von Menschen. Nicht zuletzt in Afrika, wo Nestlé den Ärmsten das kostenlose Grundwasser abpumpt, um es ihnen in Flaschenform zu verkaufen. Merke: »Es kommt nicht drauf an, den Menschen der Dritten Welt mehr zu geben, sondern ihnen weniger zu stehlen.« (Jean Ziegler)

Die Moral von der Geschichte? Eine Kuh macht Muh. Viele Kühe machen Mühe. Und noch mehr Rindviecher bestimmen über unsere Zukunft. Nicht die Beherrschten müssen auf dieser Welt überwacht werden. Sondern die Herrschenden. Denn wie bereits Alt-Kanzler Helmut Schmidt altersweise mahnte: »Die Dummheit von Regierungen sollte nie unterschätzt werden!« Lassen Sie uns insofern darauf hoffen, dass der Ausdruck »Menschlichkeit« auf anderen Planeten nicht zum Schimpfwort verkommt. Vergessen Sie ausserdem nie: Bereits ein einziger Kuss, der von Herzen kommt, ist in diesen frostigen Zeiten mehr wert als das teuerste Geschenkpaket aus dem Kaufhaus.

Und ganz zuletzt – man möge es mir gnädigst verzeihen – brennt mir an dieser Stelle scheinheilig noch eine schelmische Frage auf der Zunge, die bis auf den heutigen Tag leider kein noch so gescheiter Theologe beantworten konnte: Woran glaubt eigentlich der liebe Gott? An sich selbst?

Luc Bürgin (Herausgeber)