(von Luc Bürgin)

Können sich Esel und Kamele paaren? Dieser delikaten Frage widmeten sich vor wenigen Monaten hochrangige Vertreter von CDU und SPD im Rahmen ihrer Annäherungsversuche zur Grossen Koalition – samt allerlei akrobatischer Verrenkungen und noch gewagter anmutender Liebesstellungen. Vorderrücks und hinterrücks. Leider verrät bereits ein flüchtiger Blick in »Brehms Tierleben«, dass die notgeile politische Rammelei langfristig nie und nimmer fruchten kann – weil Kamele und Esel naturgemäss nicht zusammenpassen. Vergebliche Liebesmüh also. Oder wie mich jüngst ein Veterinär fachgerecht aufklärte: »Esel können sich nur mit Pferden paaren, selbst mit lahmen Gäulen, aber niemals mit Trampeltieren oder anderen Kamelen. Zudem sind die Hengste von Maultieren oder Mauleseln ebenfalls unfruchtbar, können sich also nicht fortpflanzen und bilden darum keine eigene Art.«

Erregt auf die Brust trommeln sich derweil auch die städtischen Beamten der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) in Frankfurt: 2018 hat besagte Behördenstelle ein wahrhaft weltbewegendes Problem ausgemacht, das bislang nie eines war. Da existiert in Frankfurt doch tatsächlich – oh Schreck, oh Graus! – seit etlichen Jahrzehnten eine »Mohren-Apotheke«. Und dies noch dazu gleich in doppelter Ausführung. »Rassistisch!«, poltern die Moralapostel von der KAV nun entsetzt und fordern eine umgehende Umbenennung. Dumm nur, dass bundesweit Aberdutzende von weiteren Mohren-Apotheken existieren. Müssen sich die dortigen Pillendreher jetzt allesamt ebenfalls umbenamsen, um weiterhin politisch korrekte Gutmenschen bleiben zu dürfen?

Wann wird wohl selbst der Duden das Wort »Schwarzmalerei« verschämt aus seinem Wortschatz streichen? Wie bitte schön verhält es sich künftig mit Bleichcremen der bekannten Kosmetikfirma Schwarzkopf? Und was ist mit dem oft schneeweiss gefärbten Mohrenkopf in den Allgäuer Alpen? Droht der 1645 Meter hohe Berggipfel im österreichischen Bundesland Vorarlberg nun ebenso umgetauft zu werden? Ganz zu schweigen von Hans Albers wortgewaltigem Lied vom »Nigger Jim«. Oder Vico Torrianis legendärem »Schwarzen Zigeuner«. Gibt es selbst derlei Klassiker bald nur noch auf dem Schwarzmarkt zu kaufen? Sapperlot!

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Und so werden zumindest in der kleinen Schweiz weiterhin »Mohrenköpfe« feil geboten. Hergestellt von traditionellen Süsswarenfabrikanten. Doch auch dagegen machen militante Weltverbesserer neuerdings mobil. Namentlich ein »Komitee gegen rassistische Süssigkeiten« – unterstützt von Franziska Schutzbach, einer ultralinken Gender-Forscherin an der Universität Basel. Ihre Begründung: »Wenn wir nicht bereit sind, Sprache zu dekolonisieren, werden auch weiterhin Geflüchtete ertrinken.« Verstehe das, wer wolle! Ich jedenfalls verstehe es nicht. Werden aus zartsüssen »Negerküssen« nun bald auch im Alpenland bitterzarte »Migrantenschmatzer«?

Je schlüpfriger das Internet, desto prüder unsere Gesellschaft. Und so sind sogar die neckischen Grid-Girls im Formel-1-Zirkus mittlerweile Vergangenheit. Zu sexistisch, entschieden deren Bosse angesichts der aktuellen »Me too«-Hysterie. Bleibt zu befürchten, dass selbst der Ortsteil Fucking im österreichischen Bezirk Braunau am Inn demnächst moralkonform umbenannt werden muss. Künftigen Sittenwächtern ebenfalls ins Auge stechen dürfte irgendwann wohl leider auch Asteroid »966 – Muschi«, den Walter Baade von der Hamburger Sternwarte bereits 1921 entdeckt und nach dem Kosenamen seiner Frau benannt hatte.

Selbst ein kurzer Blick ins deutsche Telefonbuch fördert mitunter die Erregung. Wer weiss schon, dass in Bad Freienwald ein »Abschleppdienst Norbert Schwanz« eifrig seinen Dienst verrichtet? Oder dass in Gifhorn ein Chirurg namens Dr. Grausam praktiziert? In Bückeburg als Sanitär stets zur Stelle ist Michael Nothdurft. Nicht zu vergessen auch die »Fahrschule Folter« in Kaufbeuren. Ebenso die umtriebigen Totengräber von »Geile Bestattungen« in Essen-Byfang oder der Urologe Uwe Sackmann in Saulgau. Noch mehr Spott ertragen müssen wohl nur noch bedauernswerte Herrschaften namens Judenfeind oder Massengeil, die bundesweit gleich mehrfach aufgelistet sind.

Und irgendwo da draussen, in einer verqualmten Kneipe, sitzen derweil ein Deutscher, ein Franzose und ein Türke beim Feierabendbier. Raunzt der Deutsche: »Meine Frau hat kürzlich das ›Doppelte Lottchen‹ von Erich Kästner gelesen – und prompt haben wir nun Zwillinge bekommen.« Seufzt der Franzose: »Ja, und meine hat die ›Drei Musketiere‹ von Alexandre Dumas gelesen und danach Drillinge bekommen.« Läuft der Türke rot an, steht auf und schnappt krampfhaft nach Luft: »Ich muss sofort nach Hause – meine Frau liest gerade ›Ali Baba und die 40 Räuber!‹«

Luc Bürgin (Herausgeber)