(von Luc Bürgin)

Wie schafft es Otto Normalverbraucher unter Merkels Dauerkanzlerei zu einem kleinen Vermögen zu kommen? Er muss vorher ein grosses gehabt haben! Apropos Moneten: Kennen Sie sich mit Bitcoins aus? Vermutlich hätte ich die hochgejubelte virtuelle Monopoly-Währung ebenfalls begriffen, wenn man mir sie nicht etliche Male erklärt hätte. Eines aber ist selbst mir mittlerweile klar geworden: Ein riskanter Tag für Bitcoin-Spekulationen ist der Mittwoch. Die anderen riskanten Tage sind: Freitag, Montag, Sonntag, Donnerstag, Samstag und Dienstag.

Die Welt verändert sich schneller als wir sie kapieren. Schon mal darüber nachgedacht, warum Ihr wenige Jahre altes iPhone mit jeder Software-Aktualisierung lahmer wird? Ein Verschwörungsschelm, wer hinter der Entschleunigung Absicht wähnte. Nun aber scheint das Schlamassel bewiesen, wie Software-Entwickler John Poole bestätigt. Tatsächlich würden die Probleme nach jedem Update grösser, je älter der Geräte-Akku sei, konstatiert der kanadische Fachmann nach etlichen Tests: »Offensichtlich hat es Apple mit der neuen iOS-Software bewusst darauf angelegt, die Leistung von älteren Geräten mit beeinträchtigter Batterieleistung zu limitieren.« Ziel: Die Besitzer zum teuren Akku-Wechsel oder Kauf eines neuen Smartphones zu verleiten!

Manchmal frage ich mich, ob uns die Götter nur deshalb mit einem Fünkchen Erkenntnis segneten, um uns unsere geistige Beschränktheit bewusst zu machen. Wussten Sie etwa, dass der 2003 verstorbene österreichische Schauspieler Gunther Philipp bis ins hohe Alter an der Wiener Uniklinik für Neurologie und Psychiatrie tätig war? Oder dass Erdogan Ercivan im Deutschen Buch und Medien Verlag 2011 einen Schmöker namens »Verbotene Archäologie Spezial« publiziert haben soll? Nie davon gehört? Macht nichts: Beide Behauptungen sind kreuzfalsch, obwohl uns besagter Schwachsinn von Wikipedia seit Jahren als Tatsache aufgetischt wird! Ebenso wichtig zu wissen: Jede dritte deutsche Abgeordnetenseite in der Online-Enzyklopädie wird von anonymen Bundestags-Zensoren regelmässig schöngefärbt und ungestraft von kritischen Passagen befreit, wie Analysen des Bayerischen Rundfunks jüngst ans Tageslicht brachten. Kurz: Im Vergleich zu mancher Fabelei auf Wikipedia wirken selbst Grimms »Kinder- und Hausmärchen« mitunter wie ein seriöses Universallexikon.

Sorry, aber ich bleibe dabei: Allein schon der Glaube an die menschliche Vernunft steckt voller Unvernunft. Und so müssen sich liebeshungrige Pärchen in Schweden gemäss aktuellem Staatsdiktat vor sexuellen Höhenflügen künftig gegenseitig ihren ausdrücklichen Willen zum Akt bekunden, ehe sie juristisch konform schnackseln dürfen. Da vergeht ja selbst dem brünstigsten Elch die Lust am Röhren! Tote Hose herrscht derweil auch am Berliner Flughafen, der bereits 2010 eröffnet werden sollte. Selbstverständlich wird er 2018 – obwohl von den Verantwortlichen noch vor kurzem hoch und heilig versprochen – einmal mehr nicht in Betrieb genommen. Sondern nach allerneuester Verschiebung frühestens Ende 2020. Oder 2030. Oder 2040. Oder 2099.

Merke: Nicht Bürger wie Sie oder ich sind für die Klimaerwärmung verantwortlich, sondern unsere Manager und Politiker, die gemeinsam längst mehr heisse Luft produzieren als alle Rindviecher dieser Welt zusammen. Je höher die Saläre, desto desolater das Unvermögen. Oder wie bereits der Philosoph Ludwig Wittgenstein die Frage aller Fragen trefflich auf den Punkt brachte: »Ist es nicht ein seltsamer Zufall, dass alle Menschen, deren Schädel man je geöffnet hat, ein Gehirn enthielten?«

Scheinheiliger denn je etikettieren auch unsere Food-Fabrizierer ihren neuesten Quark. Geschäftsgeil trennen sie die Spreu vom Weizen, um uns die Spreu als Weizen anzudrehen und den Weizen als Spreu in den eigenen Sack zu stecken. Ende 2017 wurden ihre aktuellsten Schweinereien einmal mehr von Verbraucherschützern prämiert. Darunter Alete-Kekse »für Säuglinge« mit 25 Prozent Zucker. Oder »Frischeknaller« von Coop mit aufgetauten Putenresten. Oder »Ochsenschwanzsuppe« von Lacroix – ohne einen Krümel Ochsenschwanz. Warum nicht gleich Erdbeer-Joghurts ohne Erdbeeren? Oder Wasabi-Paste ohne Wasabi? Oder Mineralwasser ohne Mineralien? Ganz einfach: Weil es all dies längst im Supermarkt zu kaufen gibt! Was wohl als nächstes folgt? »Schwarzwälder Schinken« aus Timbuktu? Oder »Alpenmilch« aus Schleswig-Holstein? Pardon, auch das gibt es leider bereits. Und die positive Nachricht? »Das Merkwürdigste an der Zukunft bleibt die Vorstellung, dass man selbst unsere Zeit einmal die gute alte Zeit nennen wird.« (Ernest Hemingway)

Und irgendwo da draussen im weitläufigen preussischen Staatsapparat weint sich derweil ein gewissenhafter deutscher Beamter fassungslos bei seinen Kollegen aus: »Ich weiss wirklich nicht, was die Leute gegen uns haben: Wir haben doch gar nichts getan!«

Luc Bürgin (Herausgeber)