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Muezzine? Bitte nicht noch
mehr Lärm um Nichts!
Die gute Nachricht vorab: Die Schweinegrippe ist
mutiert - zum harmlosen Ferkelschnupfen. Und
die schlechte Nachricht? Die halbe Welt brandmarkt
uns Schweizer derzeit als rassistische Barbaren,
weil 57 Prozent von uns gegen den Bau von Minaretten
votierten. Wie ein Abszess platzte auf, was
sich über Jahre entzündete. Verteufelt werden wir
nebst dem türkischen Präsidenten ("Ein Verbrechen
gegen die Menschlichkeit!") nun sogar von
unseren eigenen politischen Salatköpfen, weil sie
befürchten, dass viele Araber ihre Öl-Milliarden
abziehen. Na und? Weg mit dem Schwarzgeld!
Ehrlich gesagt: Befände sich unser Büro neben
einer Kirche, würde mich das Gebimmel wohl weniger
nerven als ein Skeptiker, der einem dürren
Pflänzchen das Recht auf eine eigene Seele abspricht.
Aber fünfmal pro Tag den Lautsprecher-Schrei eines heiseren Muezzin erdulden? Bitte nicht noch mehr Lärm um Nichts! Es reicht mir
schon, dass unsere christlichen Pfarrer kaum noch
den richtigen Ton treffen. "Wie wärs mit folgendem
Deal", schlug mein Landsmann Peter Creola unlängst
keck vor: "Für jede Muslimin, die bei uns unbehelligt
ihr Kopftuch trägt, darf sich eine Schweizerin
unbehelligt im Bikini an einen islamischen
Strand legen." Warum eigentlich nicht?
Drei muslimische Taxifahrer, mit denen ich um
Mitternacht gerne nach Hause gondle, habe ich zur
Abstimmung befragt: Einen sunnitischen Türken,
einen Albaner und einen kurdischen Aleviten. Der
Türke seufzte und warnte mich vor Terrorattentaten.
Der ebenfalls sunnitische Albaner lächelte
und schwieg. Der Alevite aber antwortete: "Ich war
noch nie in einer Moschee. Religion braucht kein
Haus. Sie wohnt im Herzen." Insch’Allah!
Tatsache bleibt: Wer als toleranter Christ blind
auf Jesus vertraut, darf sich ob der derzeitigen
Islamisierung Europas nicht wundern, wenn morgen
plötzlich Mohammed an seine Haustüre
klopft, um ihn zu bekehren. Den meisten Ja-Sagern
- selbst den Linken - ging es denn auch gar nicht
um Minarette. Vielmehr folgten sie einem dumpfen
inneren Gefühl. Angst machen ihnen weniger DIE
Fremden als DAS Fremde sowie der Zerfall traditioneller
Werte. Ein Aufschrei des Herzens eines kleinen, bockigen Landes gegen ein herrisch verwaltetes, europäisches Multikulti-Imperium, das
vielen zunehmend unsympathisch wird.
Kurz: Die Schweiz markierte ihre Grenzen, weil
sie sich mit dem zelebrierten Gutmenschentum nicht mehr identifizieren mag. Politisch unkorrekt.
Aber verständlich. Denn die wachsende Überfremdung macht
uns alle zu Fremden im eigenen Land. Parallel dazu rotiert der Erdball immer schneller. Zu massiv wütet die Globalisierung, die gnadenlos zermalmt, was vielen heilig ist. Lebensmüde hetzen wir durch die Welt. Und finden kaum Zeit, nachzusinnen, welche Werte uns heilig bleiben sollen.
Wieso haben keltische Bräuche und Mittelalter-Feste neuerdings Hochkonjunktur? Warum wächst der Stellenwert von Volksmusik und Dialektliedern
seit Jahren? Weshalb wimmelt das Youtube-Videoportal plötzlich von "wertvollen" Kinderserien aus den 70er- und 80er-Jahren? Wie kommt es, dass
auf allen TV-Kanälen derzeit die "Grössten Hits" der letzten Jahrzehnte gefeiert werden? Warum dieser nostalgische "Retro-Trend"?
Kaum zufällig, dass einst kontrovers diskutierte Grössen wie Ex-Kanzler Helmut Schmidt, der Dalai Lama, Udo Jürgens, Nena, die Rolling Stones, Jazz-
Guru Dave Brubeck, ja selbst altgediente Psi-Päpste wie Uri Geller gefragter sind denn je. Glaubwürdig macht sie ihr Herzblut. Weil sie ihre Ideale und
ihre Kunst in einer immer schnelllebigeren Welt seit Jahren stur durchziehen. Trotz Gegenwind.
Und während ich in die Tasten haue, frage ich
mich, warum wir die Uhren wieder mal eine Stunde
zurückstellen mussten. "Um Energie zu sparen",
wird mir entgegnet. Bei aller Liebe zur Natur: Diesen
Mist haben uns ein paar übereifrige Ökoapostel
vor Jahren eingebrockt. Gespart haben wir seither
gar nichts, wie die Statistik beweist. Dennoch
schrauben wir brav an der Zeit. Zweimal pro Jahr.
Wie lange noch? Und warum produzierte die jüngste
Klimakonferenz in Kopenhagen so viel CO2 wie
eine ganze Stadt mit 150’000 Einwohnern? Wegen
140 Privatjets und über 1200 Luxuslimousinen!
Ebenso unlogisch: Wieso nähren wir zum Jahresende
oft Organisationen, die statt der Dritten Welt
vor allem ihre nimmersatten Verwaltungsapparate
aufblasen? Leben bei uns nicht ebenfalls Randständige?
Mein Tipp: Schenken Sie dieser Tage einem
Bedürftigen aus Ihrer Umgebung 50 Euro - statt 100 Euro an die Profihelfer zu verschwenden. Stille Gesten gründen in lauten Zeiten am tiefsten.
Niemand muss wissen, wer ihm geholfen hat.
Wichtig ist nur, dass ihm geholfen wurde. Ohne
Hochglanzprospekt oder Spendenzertifikat. Einfach
nur mit Liebe.
Luc Bürgin (Herausgeber)
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